Vernissage:  Freitag 11.01.2013 Lounge & Drinks ab 20:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 11.01. – 27.01.2013

In den großformatigen Gemälden von Jens Hafner blickt der Betrachter gebannt auf die Szenerien, die sich vor ihm ausbreiten und versucht die geheimnisvolle Situation zu entschlüsseln. Eine Ahnung von Bedrohung und Flucht kennzeichnet die Stimmung. Der Himmel ist verdunkelt und reißt nur an manchen Stellen dramatisch auf, glüht am Horizont rot nach. Grelles Licht und dunkle Schatten legen sich auf Gebäude, Landschaft und rätselhafte Gegenstände.

Monolithische gleichförmige Hausblöcke verstärken die steilen perspektivischen Achsen, die sich Richtung Horizontlinie nach hinten ziehen. Die Szenerien liegen an einem Unort zwischen Wohngebiet und Industriebrache, zwischen Stadt und Umland, die Dimension der Zeit bleibt völlig unklar. Doch wo sind die Bewohner, was hat deren Flucht ausgelöst? Fähnchen, Wimpel, schnell gezimmerte Aufbauten mit Lautsprecherboxen stehen verlassen da. Was ist an diesem Ort passiert? Wurde ein Festakt gefeiert, eine Demonstration abgehalten? Wohin sind alle geflohen? Gab es eine Auseinandersetzung, Gewalt, eine Naturkatastrophe? Wo sind die Menschen, deren Spuren und Reste im Bild noch so präsent sind?

Die raffiniert angelegten Kompositionen mit verschiedenen Raumebenen werden von einer dunklen Farbpalette bestimmt. Einzelne Signalfarben wiederholen sich im Bild, leuchten auf und bilden scheinbare inhaltliche Verbindungen und Blickachsen. Die Bildelemente lösen sich nicht ganz vom Gegenstand, sondern sind eine Mischung und ein Wechsel aus realitätsnahen detailgenauen Darstellungen und gestisch losgelösten Bildpartien. Da tropft Farbe am Bild herunter, ist der Boden eine einzige abstrakte Fläche, während an anderer Stelle, der erhellte Schlagbaum im Wald ganz ausdifferenziert ist.

Jens Hafner legt beim Entwurf eines Bildes die Aufteilung für Himmel und Erde sowie die Perspektive fest, alles andere erwächst beim Malprozess. Er braucht beim Arbeiten viel Spiel, erfindet alles frei. So benutzt er keinerlei Vorlagen und malt alles aus dem Kopf heraus. Inspiration für seine Arbeiten sind Bilder und Gesehenes, das ihn nachhaltig beeindruckt und das er in seine Arbeiten einfließen lässt.

Dem Betrachter bietet er unterschiedliche Zugänge ins Bild. Hat der Betrachter bei einem Bild das Gefühl auf einem Balkon erhöht zu stehen und von der Brüstung auf die Straße zu schauen, so sind es bei anderen Werken Bretter und Mauern, die sich wie Riegel quer schieben. Wie auch immer der Zugang aussehen mag, das Rätsel um das Bild bleibt, die Antworten muss sich der Betrachter selbst suchen.

Selini Andres (Kunsthalle Mannheim)